Lehrplanthema Industrialisierung praktisch
Maschinenlärm, die Drehbewegung der Dampfmaschine, die Strom durch einen Generator erzeugt und die leuchtende Glühlampe mit echtem Glühfaden – im Industriemuseum Chemnitz können Schulklassen alles, was in Klasse 8 in Geschichte als Theorie im Lehrplan Geschichte steht, auch ganz praktisch erleben.
Um also das theoretische Fachwissen mit praktischen Eindrücken zu ergänzen, machten sich die Klassen 8/1 und 8/3 am 27. Januar 2026 auf den Weg in die Zwickauer Straße, um gleich drei Angebote des Industriemuseums in Anspruch zu nehmen: eine Führung zur Industrialisierung in Sachsen, die Vorführung der Dampfmaschine, welche nur zweimal pro Monat läuft, und ein Workshop, um eigene Erfahrungen an den Maschinen aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu machen.
Die Ausstellungshallen und die Dampfmaschine
Beim geführten Rundgang durch die Ausstellung wurde schnell klar: Das Leben als Fabrikarbeiter oder -arbeiterinnen war gefährlich und anstrengend, wobei unsere Achtklässler mit ihren durchschnittlich 13 Jahren damals natürlich auch zur Arbeit eingesetzt worden wären.
Anschaulich wurde erklärt, wie die Textilmaschinen von Männern bewegt und von Kindern gesäubert wurden, wie die Spinning Jenny die Arbeit der Spinnerinnen effizienter machte und welche Arbeitszeiten und -bedingungen in Fabriken wie denen in „Rußchemnitz“ üblich waren. Dass dabei Arbeitsschutz keine große Rolle spielte, machte unsere Museumführerin den Jugendlichen immer wieder deutlich.
Durch typische Objekte aus Arbeiterwohnung, zum Beispiel Badewannen oder Betten, zeigte uns das Personal des Museums, wie ganze Familien sich einmal wöchentlich alle in demselben Badewasser wuschen und wie das eigene Bett „untervermietet“ wurde, wenn die Arbeiter selbst gerade zur Schicht in der Fabrik waren und es nicht selbst als Schlafplatz brauchten.
Großexponate wie die Eisenbahn und die Dampfmaschine zeigen die Dimension der Technik, für die unsere Stadt bekannt war. Die Funktionsweise der Maschine kannten die Klassen schon durch den Unterricht, sie live in Betrieb zu sehen und eine Erklärung dazu zu erhalten, hat aber noch einmal klargemacht, mit welchem Aufwand dort Energie erzeugt wurde: stundenlanges Aufwärmen der Maschine, der hohe Kohleverbrauch, die Gefahr von Kesselexplosionen und der Energieverlust bei der Übertragung auf Transmissionsriemen wurden erläutert. Durch ein umfangreich bebildertes Arbeitsblatt konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Erkenntnisse gleich festhalten und später im Unterricht in der Schule wieder nutzen.
Praktische Anwendung
Nach der Mittagspause teilten sich die Wege der beiden achten Klassen: Während die 8/1 sich mit Rechenmaschinen beschäftigte und den echten Gottfried Wilhelm Leibniz (zumindest im Kostüm) treffen durfte, ging es bei der Klasse 8/3 um die Textilindustrie als sächsischer Leitsektor. Die Schülerinnen und Schüler haben aus Baumwolle einen Faden gewoben, aus Fäden am Webstuhl einen Teppich gewebt und eine Rundwebmaschine mit Muskelkraft angetrieben.
Durch den Workshop sahen beide Klassen noch einmal ganz andere Bereiche der Ausstellung, konnten selbst aktiv werden und dabei auch in Gruppen arbeiten.


























